Einblick ins Lernen und Lehren… und die Frage wieso ich plötzlich so bunt bin und keine Haare mehr habe…

In den letzten 2 Wochen hatte ich die Gelegenheit gemeinsam mit insgesamt 60 Studierende in meinen Seminaren zu lernen und meine Rolle als Lehrende zu reflektieren.

60 Individuen, mit all ihren Erfahrungen, Geschichten, Sorgen, Freuden und Widerständen. Die Themen waren ähnliche: Haltung, Diskriminierungssensibilität, Reflexionen und Unterhaltungen über Macht, Herrschaft und das Ideologische. Ganz große Themen, die sich jedoch an kleinen Beispielen zeigen.

Da ist diese 5-minütige Videosequenz, eingebracht von einer Studierenden. Was passiert: Eine weiblich gelesene Person („Mutter*“) spielt und interagiert mit einem Kind im Krabbelalter. Die Mutter* spielt mit dem Kind und einem Plastikspielzeuge mit Knöpfen aus dem Laute und Melodien kommen.

In der Sequenz gibt es einige Situationen, die gelungen sind und einige, die ausbaufähig sind. Zunächst eine Blitzlichtrunde: welche Gefühle hatten die Zuschauenden?

Und schon ging es los: Abwertungen und Bewertungen wurden nach dieser kurzen Sequenz von sich gegeben. Gefühle wurden keine geäußert. Eine Person sagte: das war schrecklich! Und ich fragte was das Gefühl dahinter ist. Die Person sagte: „ich habe mich unwohl gefühlt“.

Aber wieso? Vielleicht, weil wir in der Sozialen Arbeit so oft die normative Brille aufsetzen? Weil wir denken, dass unsere Adressat*innen noch nicht „richtig“ sind, noch „nachgeholfen“ werden muss, damit sie „passen“? Wo rein sollen sie denn eigentlich passen?

Hat sich meine Studierende unwohl gefühlt, weil die Mutter* eine Glitzerhose an hatte und künstliche Fingernägel hatte? Lookism? Bodyism? Healthism? Wie spielt mensch den richtig mit einem Kind? Hat uns das je jemensch beigebracht?! Aha, also dürfen Menschen Fehler machen und dürfen sich weiterentwickeln. Na, danke! Wir kennen die Geschichte der Mutter* in dieser kurzen Sequenz nicht aber ein Urteil haben wir ganz schnell.

Auf jeden Fall war auch wieder der pinke Elefant im Raum, mächtig und schmerzhaft: Klassismus! „schreckliches Plastikspielzeug! besser das Holzspielzeug nehmen!“, „Kein Geschmack! was ist das für nervige Musik!“ usw. Wir reden in unseren Arbeitsfelder so selten darüber. Aber eigentlich müssen wir Klassismus viel mehr ins Rampenlicht bringen und reflektieren!

Ich habe die Studierenden dann gefragt ob sie merken, was gerade abgeht.

Betroffene Stille.

Ich kann diese betroffene Stille so schlecht aushalten. Dann wie so oft, halte ich die Haltungsfahne hoch. Ganz hoch. Ich stehe schon fast auf einem Stuhl, so hoch will ich sie halten… Dann rutsche ich aus meiner Rolle der fragenden, aktivierenden, prozessorientierten Lehrende heraus und rutsche in die Rolle der Frontal-Lecture-Lehrende: dies und jenes, und ja, die Profession und die Haltung, Kapitalismuskritik und die Kritik an der Ökonomisierung der Sozialen Arbeit… ich muss noch üben. ich muss Euch mehr die Möglichkeit geben Euch gegenseitig zu regulieren, politisches und gesellschaftliches gemeinsam auszudiskutieren… Ich war zu schnell. Habe über den Dingen gestanden.

Und ja, auch ich habe einen langen Weg hinter mir. Ich lerne jeden Tag aufs neue. Ich bin nicht fertig und werde das auch nicht sein. Ich habe lange trainiert um ein Vorurteils-Tourette in meinem Kopf zu haben um mir damit meiner inneren Bilder und meiner internalisierten Unterdrückungs- und Abwertungsstrukturen bewusster zu werden, um mich dann wiederum in nächsten Schritt machtkritisch zu dezentrieren und transkulturell auf mein Gegenüber einzugehen.

Vor lauter Bewertung und Abwertung habt Ihr kaum mitbekommen, dass es auch ganz schöne Interaktionen gab. Situationen in der Mutter* und Kind sich angelächelt haben und Nähe gezeigt haben.

Nicht gesehen, weil es schwierig war sich zu dezentrieren, weil es schwierig war Normativität zu reflektieren, weil es schwierig war vorurteilsbewusst und diskriminierungssensibel zu sein, weil es schwierig war Wertschätzung und Achtsamkeit als Haltung zu bewahren.

Das üben wir weiter. Ich werde nicht müde. Ich weiß, dass es ein langer und anstrengender Weg ist.

Eine weitere Sache hat mich beschäftigt:

am WE meinte eine Studierende zu mir in der Pause, dass sie es sehr schätzt, dass ich rassistische Aussagen nicht stehen lasse, sondern dezidiert nachhake und gemeinsam mit der Gruppe reflektiere. Sie sagte sie findet das radikal und links und sehr gut und wünschte sich mehr davon in anderen Kontexten…

Ich frage mich, ob das radikal und links ist, wenn ich doch lediglich menschenrechtsbasiert arbeite? und wenn ja, wie traurig ist das denn dann bitte?!

Ich werde das noch mal wirken lassen und ggf. hier noch mal thematisieren und vertiefen.

BTW. nein, es gibt keinen Dress Code an der Hochschule, aber ich merke meine Veränderung je nach Kontext: ich bin weniger bunt, weniger Glitzer, weniger Punk. Mehr Jackett, mehr Stoffhosen und Lederschuhe…

 

Auf geht’s ins neues Jahr!

Das letzte Jahr hat Spuren hinterlassen:

Das kontinuierliche Erstarken der AfD ist bedrohlich und es gibt kaum Bewegung dagegen. Die Welt gerät generell aus den Fugen und Menschen ertrinken im Meer oder verwahrlosen auf Inseln. Der rassistische und antisemitische Terroranschlag in Halle, die zahllosen Attacken auf Menschen und Unterkünfte und die unverständlichen Kürzungen bei den „Demokratie leben!“ Förderungen. Ernsthaft, was ist hier los?!

Das desaströse Einknicken der Öffentlich-Rechtlichen, die wegen ein paar Trolle den Umweltsau-Oma-Song gelöscht haben, krasse Stimmungsmache betreiben und durch ihre unendlich vielen schlechten Talk Runden Rassismus und „besorgte Bürger*innen“ verharmlosen und negieren. Und ganz ehrlich: ich glaube ich kann jetzt in der Reflexion gar nicht mehr sagen, was mich noch alles erschüttert hat, denn es war so viel los.

„Demokratie sterben!“ ist jetzt wohl angesagt… auf allen Ebenen.

Ich frage mich, wie es weiter gehen soll.

Verzweifle, weil sich auch in meinem persönlichen Nahfeld die Situation verschärft:

Freundinnen schweigen und ignorieren, wenn Rassismus in ihren Kreisen stattfindet. Ignorieren es so vehement, dass ich den Schmerz nicht aushalten konnte und gehen musste. Menschen aus meinem Umfeld lassen sich Preise verleihen und ignorieren die Tatsache, dass sie entweder auf einem Podium voller Rassist*innen sitzen oder noch schlimmer: sie posieren mit rassistischen Politiker*innen, die sich klar antimuslimisch rassistisch positionieren. Hauptsache das Geld für die Projekte fließt? Zu welchem Preis. Ein Dilemma.

Aber Hauptsache auf dem T-Shirt steht was mit „Feminismus“, „kein Mensch ist illegal“ oder „train hard, fight racism“ oder irgendein anderer neoliberaler und weißer Slogan…

Mein Nahfeld hat sich enorm gewandelt: Menschen gingen, die Energie gesaugt haben, mich ausgelaugt haben und nun sind Menschen da, die mich beflügeln, mich inspirieren und ich habe das Gefühl ich wachse. wir wachsen.

Ich sehe die Arbeit, die ich mache als meine Berufung an, dass müsste allen Menschen klar sein, die mich kennen und/oder schon mal mit mir zu tun hatten. Es ist nicht einfach „nur“ ein Beruf. Ich lebe es, ich liebe es, es gibt mir Energie, es nimmt mir Energie, ich gebe nicht auf, ich kämpfe.

Deswegen schaue ich auch zugleich zurück auf ein Jahr voller strahlender Momente. Ich schaue zurück auf ein Jahr voller wunderbarer Menschen, die ich kennengelernt habe in meinen Seminaren, Workshops oder Vorträgen. Das lässt mich weitermachen. weiterhoffen. weiterforschen.

Da sind zum Beispiel die Frauen*gruppen in Halle, die durch sehr schwere Zeiten gehen, viel Gewalt und Ablehnung erfahren. Meine Kollegin Žaklina und ich haben sie durch einige schwierige Zeiten hinweg begleitet. Haben Empowerment Räume geöffnet und gemeinsam gestaltet. Haben gemeinsam geweint und gelacht. Wurden gestärkt und haben gestärkt.

Da sind zum Beispiel die jungen Queers in Norddeutschland. Voller Vertrauen in mich und meine Arbeit und Tatendrang sind wir einen Prozess gestartet. Wie sich positionieren? Wie in den Widerstand gehen? Wie kommunizieren? Bündnisse stärken und sich selbst stärken.

Da sind zum Beispiel unendlich viele Lehrer*innen und Referendar*innen, Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen und Multiplikator*innen. Antimuslimischer Rassismus, Rassismus, Klassimus, Sexismus, und weitere -Ismen, Kolonialismus und Queer Theory usw. alles Themenfelder, die in unseren Biografien so wenig Raum hatten. Wieso eigentlich? Was würden Foucault oder Gramsci jetzt sagen?

Ich hole jetzt mal nicht aus. Aber das Feedback aus den vielen Gruppen war, dass endlich Platz war für andere Narrative, dass endlich mal eine andere Perspektive beleuchtet wurde. Wie bestärkend.

Da sind die vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, denen ich gemeinsam mit meinem Kollegen Mohammed begegnet bin. Empowerment ist in diesem Alter so unglaublich wichtig. Wir schauen gemeinsam auf unsere Elterngeneration und sehen wie sie mit diesen schmerzhaften und gewaltvollen Diskriminierungen umgegangen sind. Schauen uns an, welche Strategien wir internalisiert haben und analysieren ob das zu uns passt, justieren nach- in der Gemeinschaft. In Bündnissen. Wir begreifen, wie die Strukturen funktionieren und sehen welche Ausschlüsse getätigt werden. Strategien entwickeln, Frustration, Wut und Trauer haben aber ebenfalls Platz. United we stand. Gemeinsam sind wir stark.

Da sind die 3 Student*innen, die mir in sehr eindrücklichen Berichten ihre bisherigen Rassimuserfahrungen an der Hochschule skizzierten, ihre Freude mit mir teilten, dass ich die erste Lehrbeauftragte of Color bin, die sie unterrichtet, kritisch und reflexiv. Kommentare nicht ignoriert, sondern nachfragt, nachhakt. Ich stärke, bin Vorkämpferin, ihr stärkt mich mit eurer Solidarität. Ich bin dankbar.

Da ist das Team eines Frauen*hauses in Niedersachsen. So viele unterschiedliche Perspektiven, Positionen- wunderbare Frauen* und ein herausfordernder und inspirierender Prozess euch zu begleiten! Es ist mir ein Vergnügen. Ich wünsche euch viel Kraft eure Haltung und Positionen aufrecht zu erhalten. Jeden Montag stehe ich bei euch auf der Matte und lerne, lehre, übe und reflektiere mit euch gemeinsam.

Da ist eine ganz besondere Person, die mein Herz auf vielen Ebenen öffnet. Mit dir rege ich mich über Neuköllner Kommunalpolitiker*innen auf. Mit dir sitze ich im Publikum, während Ateş, Mansour, Kelek, Hikel oder xyz, antimuslimisch-rassistische Positionen von sich geben. Wir beobachten, dokumentieren und auf dem Heimweg reden wir über unsere Sorgen, Bauchschmerzen und unsere Auswanderungsideen. Ich bin glücklich dich in meinem beruflichen, aktivistischen und privaten Umfeld zu wissen. Du stärkst mich auf vielen Ebenen. Danke

Ich bin dankbar für so vieles und bin gespannt was die 20 für uns so bereit hält…

white silence is violence

Laura

 

PROLOG

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meiner langjährigen Kollegin und Freundin Anja.
Sie ist sytemische Therapeutin und die beste Sozialarbeiterin, die ich kenne.
Sie sagte, dass erfahrungsgemäß die Therapeut*innen, die sich „Zen“, „Namaste“, „Achtsamkeit“ und Klangschalen-Bla Bla ganz groß auf die Visitenkarten/Homepage/Stirn usw. schreiben im persönlichen Nahfeld mit Stühlen schmeissen und sich sensationell gehen lassen können. Irgendwie fand ich das sehr sympathisch und frage mich aber, wieso das so ist.
Wieso kann ich die Haltungen, die ich im Kontext von Rassismus und Diskriminierung in meinen Workshops vertrete, sie an der Hochschule lehre usw. nicht immer und überall in meinem persönlichen Feld vertreten? Wieso bin ich im persönlichen Feld so radikal?

Ich denke es liegt auf der Hand: ich habe verschiedene Rollen. Ich kann beides. Verstehe den Ober- und Unterbau, kenne die dunklen Winkel und auch die erhebenden Momente. Ich werfe mit Stühlen, kann aber Anderen alternative Handlungsmuster zeigen.

INTERMEZZO (meine Gedanken, Fragen und Gefühle der letzten Woche)

Seit einer Woche beschäftigt mich Kommunikation und der Umgang miteinander, wenn sich kritische Situationen im persönlichen Nahfeld ereignen.
white tears, whitesilence, white tone policy, classism …

die Liste lässt sich fortsetzen…

Auslöser war ein Kindergeburtstag.
Stellen wir uns vor:
Wimpeln, Ballons, Kuchen und Saft (Crémant für die Erwachsenen), Sonne, lachende Kinder, ausgelassene Stimmung und AfD-Willi*.

Als queere alleinstehende und kinderfreie PoC bin ich so oder so oft alleine in diesem Freund*innenkreis. Dieser besteht aus sehr vielen weißen Menschen, die aus Kreuzberg und Neukölln wegziehen, wegen der Bildung der Kinder, dem Lärm, dem Chaos, dem M41, dem Müll… oder dem Argument: Ich muss mal den Kopf lüften, alles neu usw.  Ok, wer es sich leisten kann… Auch hiermit finde ich irgendwie einen Umgang.

Aber die Tatsache, dass auch ein AfD Mitglied/Jurist im Bundesinnenministerium auf diesem Geburtstag eingeladen ist, versetzt mich in eine unendliche Traurigkeit, Wut und Verzweiflung.

Ich wurde erst die Nacht zuvor eigeladen:
Die eine Freundin fragte: hey, sehen wir uns Samstag auf dem Geburtstag von Kind X im Monbijou Park? Ich so: „ah, wusste nicht, dass sie feiern… morgen habe ich Bandproben, dann arbeiten und abends wieder arbeiten…“

Der AfD-Typ wusste bestimmt schon Wochen vorher Bescheid.

Wie dem auch sei, Hierarchisierung von Freundschaften, wie sich im weiteren Verlauf zeigen sollte.

Was genau sind die Beweggründe? Wieso wird der eingeladen? Genau das fragte ich schon ein Mal an Ostern vor einem Jahr.
Damals war die Antwort:

„Die Kinder mögen sich so gerne. Deswegen laden wir ihn ein.“
aha. Und, diskutiert ihr mit ihm über seine (antimuslimisch) rassistische Haltung dass er bei der AfD ist usw.?
„Naja, wie denn? Der dreht einem alles im Munde herum. das ist echt schwierig
Nun gut, es gibt ja Argumentations-Trainings…
„wir belassen es einfach dabei nichts politische mit ihm zu besprechen.“

Am gleichen Tag diskutierte der einzig politisierte Mensch in diesem Kreis (Danke dafür Thorsten*!) am Tisch mit ihm bezüglich seiner Aussage „Datenschutz-Taliban“, seinen kruden Ansichten über Demokratie, die EU usw. Er war fix und alle danach. Niemand stand ihm bei. Ich habe es nicht mitbekommen, weil ich mich immer demonstrativ in ein anderes Zimmer, in eine andere Sphäre beame, wenn der anwesend ist.

Wenn er ist nicht da ist, reden die Menschen über ihn und nennen ihn „AfD-Willi*“. Was sollen wir machen? Wie mit ihm umgehen? usw. Aber zum nächsten Geburtstag, zur nächsten Filmpremiere, zur nächsten Firmen-Weihnachtsfeier, zum nächsten Abendessen/Osteressen, oder was auch immer, steht er wieder da. Ganz offiziell eingeladen, bewegt sich völlig sicher und frei im Freund*innenkreis…
Auf seiner ultra schlechten Homepage als wannabe – Photograph (Alter, ernsthaft hör‘ einfach auf Photos zu machen! Die sind mega schlecht.), die er neben seinen rassistischen Dasein betreibt, sind die Bilder von der besagten Freundin prominent unter der Rubrik „FEMININE“ zu finden.

Sie strahlt in die Kamera. Hinter der Kamera steht AfD Willi. Sie strahlt AfD Willi an. Mir wird schlecht.

Meine Geduld/Toleranz oder was auch immer ich da anbringen muss: ist am Ende. Unsere Freund*innenschaft scheinbar auch.

Ich wache morgens auf, meine Stimme ist weg. Ich sage die Probe ab. Sehr spät, habe mega schlecht geschlafen, alle sind schon auf dem Weg zum Proberaum, meine Band ist sauer, der Schlagzeuger ist so sauer, dass er die Band verlässt. Ich habe Bauchschmerzen und weine. Abends gehe ich arbeiten, denn ich muss ja mein Geld verdienen- scheiß Prekariat!
Am nächsten Tag schreibe ich meine Bedenken und meine Ansichten dazu usw. auf, denn meine Stimme ist immer noch weg (auch symptomatisch, wenn ich Rassismus ganz nah in meinem Nahfeld habe), und was bekomme ich?

Person 1
versteht nicht, dass mir einfach die Worte fehlen, meine  Stimme weg ist, mein Hals geschwollen, dann auch noch klassistische Tone Policy:tone policy.jpg

 

 

 

Person 2
Klassische Abwehrposition: was? wieso greifst du mich an? Sie Opfer, ich die Böse. Verrückte Welt. Dann zur Krönung: Leb‘ wohl, für immer.

Das ging schnell… also nach gefühlt 4 Nachrichten. 

Ohne Titel.png

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie nun umgehen? Wie nun weiter gehen? Die Stimme ist längst wieder da. Aber mein Gefühl verstärkt sich immer mehr: ich werde mich verabschieden müssen. 
In meiner Praxis erlebe ich viel Schaden, viele Rassismus und andere -ismen.
In meinem persönlichen Umfeld kann und will ich das nicht aushalten müssen.
Ich bin immer diejenige, die behauptet: es gibt keine Safe-Spaces. Nirgendwo. Es ist eine Illusion zu glauben, dass es die gibt.

Aber hey, ein Mindestmaß an Anstand und Respekt erwarte ich von meinen weißen Freund*innen und das spiegelt sich in erster Linie darin, ob ich mit solchen AfD-Willies konfrontiert werde oder nicht.
Es liegt in eurer Hand, es ist eure Verantwortung, es ist euer Problem. Und euer Schweigen wird euch nichts nützen. Denn wer schweigt stimmt zu und wozu das führt, daran brauche ich nicht immer und ständig erinnern. Es ist eure Verantwortung.

EPILOG

Antwort an Person 1:
„Ich brauche erst mal Abstand um wieder zu heilen.
Das sind Themen, die ich in meinem privaten Umfeld nicht haben will.“

„healing“ im Empowerment Kontext bedeutet in der Community zu heilen. Wer meine Community ist, zeigt sich gerade sehr deutlich.
Danke dafür, ihr wundervollen Menschen, mit denen ich gerade sprechen kann; traurig und wütend sein darf; weinen und lachen darf. Danke

Antwort an Person 2:
Genau um „mich glücklich machen gehts“. Geht’s noch? Hast du gelesen was ich geschrieben habe? Aber gut so. Viel Spaß mit deinen Nazi Freunden, wenn dir die Kanakin zu anstrengend wird.“

Eine sehr harte Nachricht von mir. Verletzt, enttäuscht und allein gelassen. „Nazi Freunde“ ist nicht adäquat. Aber ehrlich gesagt hatte und habe ich keine Energie mich auch noch um sie zu kümmern.
Ich hoffe sehr, dass sie, ihr Freund und ihr Kind (beide zwar white-passing, aber auch mit einem vermeintlichen „Migrationshintergrund“ aus einem „muslimischen“ Land) gesund und munter durch die bevorstehenden „braunen“ Zeiten durchkommen.

Irgendwann, irgendwo, irgendwie werden wir uns wieder sehen.
Es ist nun die 2. Freund*innenschaft, die ich wegen der AfD beenden muss.
Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass so etwas in diesem Land wieder passieren wird. Aber ich lerne nie aus.

*Namen geändert

Erster Schritt: done

Hier bin ich.

Zwar schon sehr lange, aber nun ganz offiziell und ready to go.

Zurzeit denke ich viel darüber nach:

‘We have to constantly critique imperialist white supremacist patriarchal culture because it is normalized by mass media and rendered unproblematic.’- bell hooks

und

„Wenn Menschen für mich kämpfen, will ich, dass sie es tun, weil sie mich als Individuum mögen – oder als jemanden, der sie an eine andere Person erinnert, die sie gern haben, nicht bloß aus einem abstrakten, theoretischen Konzept heraus. Mir wäre es lieber, wenn die ‚weißen Verbündeten‘, die ‚hetero Verbündeten‘, die ‚männlichen Feministen‘ der Welt die Arbeit leisten, echte Beziehungen aufzubauen, die auf Liebe und Respekt basieren, nicht nur auf einem politisch korrekten Lexikon und Rhetorik.“ Spektra